Butterflies and Roses

Alinas Tortenvariation: Erdbeere küsst Schokolade, eine sehr schöne Kombination mit optischer Raffinesse.

Alina Praß war 14 Jahre jung als ich sie vor drei Jahren besucht hatte. Trotz des jugendlichen Alters fangen ihre Augen an zu leuchten, wenn es um das Thema „Backen“ geht. Bereits mit einem Jahr fing sie an zu sprechen, wobei eigentlich nur ihre Mama verstand, was sie mitzuteilen versuchte. Doch schon damals saß sie still in ihrem Hochstuhl und verfolgte voll Wissbegier und Begeisterung alles, was ihre Mama beim Backen tat. Somit wurde ihr das Backhandwerk bereits als Kleinkind schnell vertraut. Gerade in der Weihnachtszeit war sie stets an der Seite ihrer Mama und kaum vom Backofen wegzubringen.

Im Alter von sechs Jahren überraschte sie ihre Familie an den Wochen-enden mit selbstgebackenem Kuchen. Gerade der Sprudelkuchen hat an der Arbeitsstelle ihres Vaters eine gewisse Berühmtheit erlangt. Wie alles Gute, das man mit anderen Menschen teilt, trägt ihr Sprudelkuchen wesentlich zum Erhalt eines tollen Betriebsklimas bei. Alina war das aber schon bald nicht mehr genug, und so war sie im Internet ständig auf der Suche nach neuen interessanten Rezepten und Herausforderungen.

Diverse Internetseiten, Blogs und Videos bieten Alina auch heute eine schier unendliche Quelle der Inspiration. Da gibt es eine Torte, die sie unbedingt einmal ausprobieren will, woanders findet sie die Farben und die Dekoration toll. Alina probiert aus, macht nach, bis sie dann beginnt, ihrer eigenen Fantasie und Kreativität freien Lauf zu lassen. Sie modifiziert Rezepte und Dekorationen, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist. Das mag Alina am liebsten.

Im Oktober 2015 kreiert sie ihre erste selbstgebackene Torte. Hierfür bringt sie all ihr erworbenes Wissen ein. Erfolgreich, wie mir versichert wurde, denn seitdem backt Alina für Familie, Verwandte und Bekannte. Sie freut sich über jede der Bestellungen und arbeitet diese liebevoll und mit Leidenschaft ab. Mittlerweile ist Alina beim Backen schon überaus sicher und führt die Zutaten mit einer unglaublichen Routine zu wundervollem süßem Gebäck zusammen.

Von Alinas Backleidenschaft erfuhr ich durch meinen besten Freund „Hubi“, und mir war relativ schnell klar, dass ich neugierig auf dieses Sobernheimer Backtalent war und mir gerne ein Bild vom Können machen wollte. Ich traf mich mit ihr und ihren Eltern an einem der unglaublich heißen Abende im Sommer 2017, und wir redeten über das Thema „Backen“. Noch heute bin ich überrascht, wie abgeklärt und sicher dieses junge Mädchen zum Backhandwerk steht. Als Alina erfuhr, dass ich sie besuchen wollte, muss sie das wohl sehr aufgewühlt haben. Ihre Schwester Milena verriet mir das anhand mehrerer Beispiele – sehr süß und sehr sympathisch.

Zunächst musste also erst das Eis gebrochen werden. Alina legte ihre innere Anspannung jedoch sehr schnell und erstaunlich selbstsicher zur Seite, und sie begann mit mir über Mehl, Zucker und Co. zu fachsimpeln, ganz so, als hätte sie noch nie etwas anderes gemacht. Auf die Frage, was sie am nächsten Tag gemeinsam mit mir backen wolle, antwortete sie blitzschnell. Es sollte eine Torte sein. Ihre Eltern schauten sich in dem Moment unsicher an, als wollten sie sagen, man könne mich doch nicht mit etwas derart Aufwändigem und Riskantem behelligen. Sie versuchten Alinas Aufmerksamkeit auf ihren altbewährten Sprudelkuchen zu lenken.

Doch zu meinem Glück, wie sich im Nachhinein herausstellte, ließ sich Alina nicht darauf ein und wollte das Risiko wagen. Ich war sichtlich beeindruckt, stieg wohlwollend und beruhigend in die Diskussion mit ihren Eltern ein und sagte: „Okay, wenn es deine Eltern erlauben, dann kaufst du die Zutaten für die Torte ein. Du gibst mir dann den Einkaufszettel und ich erstatte dir die Kosten unserer Aktion. Dann machen wir uns an die Arbeit mit der Torte Deiner Wahl.“ Alina hatte sich eine eigene Kreation ausgedacht und wollte sie gerne in die Tat umsetzen.

Ein schokoladiger Boden sollte die Basis ihrer Torte bilden. Die Füllung würde aus einer Quark-Frischkäse-Sahne-Erdbeercreme bestehen, dazu ein Schokoladenüberzug, bedeckt mit Fondant und dekoriert mit Rosen und Schmetterlingen. Ich war sprachlos. Eine so klare und detaillierte Vorstellung aus dem Mund einer erst Vierzehnjährigen zu hören, das fand ich einfach unglaublich, und es verlangte mir großen Respekt ab.

Unser Vorhaben war alles andere als Routine und erforderte einen Arbeitseinsatz von zwei Tagen, bis alles Benötigte eingekauft, vorbereitet und fertig gestellt war. Allein die filigrane Dekoration würde viel Zeit benötigen, denn schließlich sollte die Torte ja ein Kunstwerk werden. Ich beschloss spontan, Alina einfach machen zu lassen.

Sie erklärte jeden ihrer Schritte ausführlich und schien sehr gut zu wissen, was sie tat. Bekanntlich führen viele Wege zum Ziel. Ich wollte daher Alina weder bei ihrer Arbeit stören, noch in ihrem Arbeitsablauf verwirren. Es geht los. Am ersten Tag treffen wir uns gegen 18 Uhr zum gemeinsamen Backen. Alina hat alles vorbildlich vorbereitet. Die Zutaten stehen parat, das Werkzeug liegt griffbereit, und die von ihr verfasste Rezeptur inklusive der chronologisch angeordneten Arbeitsschritte hängt in Form von drei handgeschriebenen DIN A4-Blättern übersichtlich an der Kühlschranktür. Voller Tatendrang greift sie zur Waage und wiegt zügig die Zutaten für den Schokoladenboden ab. Dabei erklärt mir Alina präzise jeden einzelnen Arbeitsschritt, den sie gerade macht, ganz wie in einem qualitativ hochwertigen Tutorial-Video.

Fasziniert von ihrer unglaublichen Leidenschaft, vergesse ich sogar beinahe das Fotografieren. Zuerst wiegt sie die Butter ab und erwärmt diese auf mittlerer Hitze in einem Topf auf dem Ceran-Kochfeld. Sobald die Butter beinahe geschmolzen ist, gibt sie die Schokolade hinzu und verbindet beides durch Rühren, bis auch die Schokolade geschmolzen ist.

Unterdessen fügt sie die Eier, Zucker, Salz und das Vanilleextrakt in eine Schüssel und verrührt alles.

Die emulgierte Schokoladenmasse kommt nun ebenfalls in die Rührschüssel und wird vorsichtig untergezogen, bis alle Zutaten perfekt miteinander vermischt sind.

Nun folgen die trockenen Zutaten: Mehl, Kakao- und Backpulver werden vermischt und nach und nach durch ein Sieb zur feuchten Masse gegeben, bis ein glatter Teig entsteht. Alina bereitet die Tortenringe zum Backen des Tortenbodens vor. Überraschenderweise verwendet sie zwei Tortenringe der gleichen Größe.

Das ist ungewöhnlich, und ich frage mich, ob sie eine zweistöckige Torte im Sinn hat. Die Tortenringe fasst sie mit Backpapier ein, damit die Masse nicht auslaufen kann. Diese verteilt sie auf die zwei Tortenringe und backt einen nach dem anderen im vorgeheizten Ofen aus.

Dann sind die leckeren Erdbeeren an der Reihe. Sie werden püriert, mit Puderzucker und Agartine ergänzt, dann in einem Topf erhitzt und zirka zwei Minuten sprudelnd gekocht. Das Ganze füllt sie in eine flache Schale um, die sie auf Kühlakkus stellt und so unter ständigem Rühren allmählich abkühlt.

Jetzt schlägt das Mädchen die Sahne mit vier Esslöffeln Sahnesteif auf. In einer weiteren Schüssel wird der Frischkäse mit Quark und fünf Teelöffeln Sahnesteif verrührt. Einen kleinen Teil davon, etwa ein bis zwei Esslöffel, fügt sie der Erdbeermasse hinzu. Das Ganze wird kurz verrührt, bevor diese Verbindung in die Frischkäse-Quarkmasse gegeben wird.

Nun folgt die aufgeschlagene Sahne, die Alina ganz vorsichtig mit dem Spatel unterhebt. Dann deckt sie die Schüssel der Füllcreme mit Klarsichtfolie ab und stellt sie bis zum nächsten Tag zum Auskühlen in den Kühlschrank.

Als nächstes steht die süße „Ganache“ auf der To-do-Liste. „Ganache“, so wird es im Französischen bezeichnet, ist im deutschen Raum auch als Pralinenmasse bekannt: ein Teil Sahne auf zwei Teile Kuvertüre. Dank dieses Verhältnisses erlangt die Masse nach dem Abkühlen die notwendige Schnitt- und Spritzfestigkeit.

Alina hat es genau so umgesetzt und kocht die Sahne auf, in der sie die zuvor klein geschnittenen Schokoladenstückchen untergerührt und aufgelöst hat. Da Alina anstatt einer Kuvertüre eine Zartbitterschokolade verwendet hat, bleibt die Masse eher cremig, allerdings auf Kosten der Schnittfähigkeit.

Die „Ganache“ lässt sie im Topf bei Zimmertemperatur auskühlen. „Jetzt noch die Deko“, lässt mich Alina mit einem freudestrahlenden Lächeln wissen, denn immerhin sind wir ja schon seit zwei Stunden am Backen, obwohl ich zugeben muss, dass für mich die Zeit wie im Fluge vergangen ist.

Für die Dekoration folgt Alina dem gerade angesagten Fondant-Trend. Fondant ist im Grunde eine reine Zuckermasse. Wasser und verschiedene Zuckerarten werden gekocht und durch starkes Kneten und schnelles Abkühlen zu einer Paste verarbeitet. Fertig eingefärbten Fondant gibt es mittlerweile im Fachhandel zu kaufen. Alina hat sich für weißen, gelben und rosafarbenen Fondant entschieden. Den gelben Fondant knetet sie schon fleißig mit den Händen durch, bis dieser geschmeidig ist und sich besser ausrollen lässt.

Mit Maisstärke als „Antihaftpulver“ lässt sich der Fondant dann auch beliebig in Form bringen, ohne an den Händen kleben zu bleiben. Zum Ausrollen verwendet Alina einen aus Kunststoff gefertigten speziellen Ausrollstab, der durch Aufsteckringe an den beiden Enden das Ausrollen auf eine bestimmte Dicke des Fondants ermöglicht.

Nachdem der Fondant die gewünschte Dicke erreicht hat, sticht Alina mit ihren Ausstechförmchen etliche gelbe Schmetterlinge in verschiedenen Größen aus der Masse. Diese setzt sie zum Anwinkeln der Flügel an den Rand einer Pappschachtel, denn nach dem Trocknen sollen sie die ihnen vorbestimmte gewünschte Form behalten.

Dann ist der rosarote Fondantblock an der Reihe. Nun beweist Alina echte Konditorenkunst: Nach dem Ausrollen sticht sie mit einem Glas, etwa drei bis vier Zentimeter Durchmesser, mehrere Kreise aus. Jetzt kommt auch noch Lebensmittelkleber ins Spiel. Die eine Hälfte des Kreises wird mit Lebensmittelkleber bestrichen, danach beginnt sie, eine Rose zu formen, eine rosafarbene Rose aus Fondant. Insgesamt macht sie sechs wunder-schöne Exemplare. Ich fühle mich dabei an meine eigene Ausbildung erinnert. Wir verarbeiteten damals Marzipan zu Rosen. Jedes einzelne Blatt haben wir in den Händen nach oben verjüngend ausgeformt.

Die Version von Alina ist da um ein vielfaches einfacher. Den besonderen Kick verleiht Alina den Dekorfiguren durch Goldstaub, den sie mit Hilfe eines Haarpinsels auf die Schmetterlinge und Rosen aufträgt. Ich glaube beinahe, sie hatte sogar einen Zauberspruch dazu gesprochen, in der Hoffnung, die Schmetterlinge würden dadurch zum Leben erwachen.

Am nächsten Tag folgt die „Hochzeit“. In der Automobilindustrie verwendet man diesen Ausdruck für den Zeitpunkt, in dem Motor und Karosserie miteinander verbunden werden. Alina verbindet die Creme mit dem Boden und macht ihre Torte fertig. Ein Tortenschneider kommt als kleines Helferlein zum Vorschein. Irgendwie erinnert mich dieses Tool an eine Laubsäge, die ich früher im Werkunterricht verwendet habe. So ähnlich funktioniert allerdings auch der Tortenschneider, wie man auf dem Bild deutlich sehen kann. Beide Böden werden vorsichtig in der Mitte geteilt, und die Torte sollte nun ganze vier Lagen an Böden haben.

Erst wird ein Tortenring aufgesetzt, in den Alina den ersten Tortenboden einlegt. Darauf verstreicht sie mit einer Teigkarte gleichmäßig die Creme. Dann folgt wieder ein Tortenboden, Creme, Tortenboden, Creme und zum Schluss kommt der schönste Tortenboden mit der Schnittfläche nach oben.

Die Ganache wird darüber gestrichen und rundherum gleichmäßig verteilt, bevor es an die Fondantdecke geht. Alina knetet zwei weiße Päckchen Fondant zusammen, die sie zu einer großflächigen und sehr dünnen Decke ausrollt. Jetzt wird es spannend. Die Fondant-Decke muss, ohne zu reißen, über die Torte gebracht werden. Hierfür nehmen wir uns eine große Glasplatte zur Hilfe. Etwas mit Stärke eingestaubt, ziehen wir die Decke auf die Glasplatte und von dort aus vorsichtig über die Torte.

Direkt nach dem Absetzen startet Alina mit einer Art Glättkelle das Glattziehen des Fondants auf der Torte. Das unten am Rand überstehende Material schneidet sie ab und dekoriert die Torte mit den vorgefertigten Schmetterlingen und Rosen.

Die Rosen etwas von der Mitte versetzt und die Schmetterlinge in den verschiedensten Größen und Körperhaltungen so angeordnet, als würden diese um die Rosen herum fliegen. Eine sehr schöne und kreative Idee. Ich mache schnell ein paar Fotos vom fertigen Exponat, und dann ist es endlich soweit.

Ich kann es kaum abwarten: der Anschnitt und die Verkostung von Alinas Torten-Kreation. Schon beim Zusehen läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Ich muss zugeben, es ist eine sehr mächtige, kalorienreiche und sehr süße Torte, aber jede kleine Gabel davon ist ein großer Genuss.

Für diesen Augenblick hat sich alle Zeit der Welt gelohnt. Das zeigt uns doch, dass es auf den Spaß beim Backen ankommt. Das Ziel ist eine leckere Torte, und Alina hat es wirklich toll gemacht, Gratulation und Dankeschön für diese wundervolle Begegnung. 😊

Möchten Sie das Rezept des wirklich leckeren Sprudelkuchens von Alina, den bekommen Sie am Freitag, über unseren Newsletter „Rezept der Woche“. Aber nur, wenn Sie sich auch für diesen angemeldet haben, was Sie auf dieser Seite, oben rechts noch machen können. Vielen Dank!

Zutaten für den Schokoladenboden:

320 g Butter
200 g Zartb. Schokolade
250 g Zucker
8 Eier
190 g Mehl
30 g Kakaopulver
1,5 TL Backpulver
1 Prise Salz
1/2 TL Vanilleextrakt

Erdbeercreme:

300 g Erdbeeren
100 g Puderzucker
300 g Frischkäse
250 g Quark
400 ml Sahne
1 Päck. Sahnesteif
1 Päck. Argartine
1Prise Salz
1/2 TL Vanilleextrakt

GANACHE

200 g Sahne
400 g Zartb. Schokolade